Deutsche Diabetes-Studie: Das GDS-Briefing

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LEBENSECHT

Interview mit Fitness-Coach Adrian Famula: „Die Frage ist: Will ich oder will ich es nicht?“

Er hat Typ-1-Diabetes und gelernt, seinen Körper wie ein Instrument zu nutzen. Jedoch nicht aufgrund der Diagnose, sondern weil seine Leidenschaft dem Kraftsport gilt. Heute ist Adrian Famula erfolgreicher Personal Trainer und Ernährungsberater sowie als Online-Coach tätig. Wir haben mit ihm gesprochen, wie man zwischen Diabetes und COVID-19 effektiv Muskelaufbau betreiben kann.

Wann hast du die Diagnose über Typ-1-Diabetes erhalten?

Das kam ganz zufällig. Ich war damals 13 Jahre alt, übergewichtig und hatte mit Fitness und Ernährung gar nichts am Hut. Aber eines Tages fuhren wir zu meiner Großmutter, die Typ-2-Diabetes hatte. Mehr im Spaß als im Ernst haben wir daraufhin auch unseren Blutzucker messen lassen. Allerdings war bei mir ein deutlich zu hoher Wert abzulesen, der sich auch nach längerer Zeit nicht weiter nach unten korrigieren lassen wollte.

Fitness-Coach Adrian Famula

Und wie ging es weiter?

Daraufhin folgte ein stationärer Aufenthalt und eine entsprechende Schulung am Klinikum Herford, wo ich mich gut aufgehoben fühlte. Dort habe ich mich dann auch erst so richtig mit der Frage auseinandergesetzt: Was ist dieses Diabetes überhaupt? Einen Plan für die Zukunft hatte ich da natürlich noch nicht. Stattdessen habe ich erstmal alle Nährwerttabellen auswendig gelernt. Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann allmählich begriffen, was es bedeutet, gewisse Nahrungsmittel in sich reinzuschaufeln. Welche Auswirkungen hat das auf mich? Was macht das mit mir? Und so bin ich nach und nach in diese Rolle reingewachsen und kombinierte es mit meiner damals neuentdeckten Leidenschaft.

Dem Kraftsport?

Ja, oder um genau zu sein: Bodyweight-Training. Damals habe ich ausschließlich zu Hause oder draußen mit dem eigenen Körpergewicht trainiert. Später besorgte ich mir fürs Home-Workout noch ein Paar Kurzhanteln und weitere Gerätschaften. Schließlich landete ich doch noch im Fitnessstudio und betrieb dort für kurze Zeit klassisches Bodybuilding. Zuvor habe ich neben meinem Studium viele Übungen aus dem funktionellen Krafttraining, Calisthenics, Freeletics, CrossFit und weiteren Kraftsportarten kombiniert und ausprobiert.

Du hast Sportwissenschaft studiert: Musstest du dort auch Gewichte stemmen, um deinen Abschluss zu erhalten?

In meinem Studium war Kraftsport kein großer Bestandteil. Es ging eher darum, unterschiedliche Sportarten kennenzulernen und vor allem, diese auch aktiv zu betreiben. Kickboxen, Judo, Tanzen, Feldhockey, Tischtennis und Leichtathletik habe ich u. a. absolviert. Generell ging es viel um Bewegung, seine Effekte auf die Gesundheit und Performance und andere Teildisziplinen. Leider konnte man sich nicht auf ein Teilgebiet spezialisieren. Aber es stimmt insofern, dass ich dort praktische Prüfungen ablegen musste. Super war vor allem der interdisziplinäre Aufbau des Studiums, bestehend aus Medizin, Biologie, Psychologie und wissenschaftlichem Arbeiten.

Und wie sieht heute dein Alltag als Coach in diesem Bereich aus?

Natürlich betreue ich auch Menschen mit Diabetes, aber die meisten meiner Klienten sind eigentlich „gesund“. Da berate ich natürlich im Bereich Weight-Management und Body-Shaping. Dazu gehören auch Ernährungs- und Trainingsplanung. Diese sollten entsprechend der individuellen Eigenschaften als auch der Ziele angepasst werden.

Gibt es denn einen Unterschied bei Menschen mit Diabetes?

Nicht was die Leistung betrifft. Allerdings ist die Beratung von meiner Seite umfangreicher. Das hat auch leider damit zu tun, dass Betroffene häufig mit Schulungen unzufrieden sind oder falsche Informationen aus der Regenbogenpresse und dem Internet beziehen.

Wie darf man das verstehen?

Was die Schulungen durch Ärzte betrifft, kriege ich immer wieder mit, dass man sich thematisch selten außerhalb der Kohlenhydrat-Berechnung bewegt. Oft bleibt man nur auf der Grundlage der typischen Schätzung von Broteinheiten. Aber auch wenn Schulungen nicht immer die Schwerpunkte setzen, die man sich wünscht, so ist man dort natürlich immer noch wesentlich besser aufgehoben als wenn man irgendwelche Artikel zum Thema Ernährung und Fitness in der Boulevardpresse liest. Ich bemerke, dass viele Menschen ihr Wissen um Diabetes – aber auch Gesundheit allgemein – selten aus evidenzbasierten Informationen beziehen. Das mag wohl daran liegen, dass solche Erhebungen selten trendverfolgend sind. Aber wenn so Themen wie eine angeblich neue Diät oder Intervallfasten immer wieder in diversen Blättchen auftauchen oder auf Instagram beworben werden, ist das für viele Menschen leider attraktiver als eine nachhaltige wissenschaftliche Studie. Fitness-Influencer, die manchmal gar keine richtige Ausbildung haben, suggerieren ein Bild, dass es angeblich schnellere und leichtere Wege gibt, etwas für den Körper zu tun. Das wirkt auf Menschen natürlich einladend, besonders wenn das Ganze auch noch trendy verpackt ist.

Nochmal zum Sport: Wie kann man denn in Zeiten von COVID-19 Kraftsport betreiben?

Man hat vielleicht kein Fitness-Center, aber man hat sein eigenes Körpergewicht. Und jeder hat sicher zuhause eine Tür, Tische, Stühle und ein paar Wasserflaschen. Das reicht schon aus. Ein Tipp von mir ist, dass man seine Trainingssession in einem separaten Raum durchführt – und auch nur in diesem Raum. Das hat etwas mit Routinen und Abgrenzungen zu tun, denn es kann der Motivation und Psyche schaden, wenn es keine klare Einteilung gibt. Das erleben wir ja auch gerade beim Home-Office, wo ebenfalls geraten wird, seine Telearbeit stets nur von einem Raum aus zu tätigen, um Beruf und Privates zu trennen. Ähnlich verhält es sich beim sogenannten Home-Workout. Aber faktisch ist alles möglich, die Frage ist nur: Will ich oder will ich es nicht?

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