{"id":26479,"date":"2026-05-29T15:50:13","date_gmt":"2026-05-29T13:50:13","guid":{"rendered":"https:\/\/ddz.de\/?p=26479"},"modified":"2026-05-29T16:28:22","modified_gmt":"2026-05-29T14:28:22","slug":"forschende-des-deutschen-diabetes-zentrums-warnen-vor-gesundheitlichen-fehlinformationen-in-sozialen-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ddz.de\/en\/forschende-des-deutschen-diabetes-zentrums-warnen-vor-gesundheitlichen-fehlinformationen-in-sozialen-medien\/","title":{"rendered":"Forschende des Deutschen Diabetes-Zentrums warnen vor gesundheitlichen Fehlinformationen in Sozialen Medien"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><\/h1>\n\n\n\n<p><strong>Wissenschaftler des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) in D\u00fcsseldorf haben k\u00fcrzlich im Rahmen des Deutschen Diabetes Kongresses der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) eindringlich vor den Risiken gesundheitlicher Fehlinformationen im Netz gewarnt, insbesondere in den Sozialen Medien. Alle beteiligten Referentinnen und Referenten der Session sind selbst als Content Creator in Sozialen Medien aktiv und kennen die beschriebenen Dynamiken aus eigener Erfahrung.<\/strong> <strong>Hier benennen sie verbreitete Fehlinformationen und falsche Versprechen \u2012 und wie man sich gegen diese sch\u00fctzen kann<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast jeder und jede sucht mittlerweile online nach Gesundheitsinformationen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Untersuchungen, dass drei von vier Menschen in Deutschland eine nicht ausreichende Kompetenz besitzen, solche Informationen kritisch einzuordnen. Soziale Medien gewinnen als Informationsquelle dabei stetig an Bedeutung, sind jedoch kaum reguliert. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Viele Kan\u00e4le schaffen gezielt Misstrauen gegen evidenzbasierte Medizin<\/h2>\n\n\n\n<p>Maximilian Huttasch, Arzt und Forscher am DDZ, der in den sozialen Medien \u00fcber Mythen in der Stoffwechselmedizin aufkl\u00e4rt, erkl\u00e4rte auf dem DDG-Kongress, das Ziel vieler Kan\u00e4le sei nicht Aufkl\u00e4rung, sondern der Verkauf von Produkten oder die Generierung von Aufmerksamkeit. Er stellte typische Muster vor, anhand derer sich Fehlinformationen erkennen lassen. So werde h\u00e4ufig das Narrativ des unterdr\u00fcckten Wissens bedient: \u00c4rzteschaft und Pharmaindustrie verschwiegen wirksame Erkenntnisse angeblich bewusst, um die eigenen wirtschaftlichen Interessen zu sch\u00fctzen. Ebenso verbreitet seien pers\u00f6nliche Erfahrungsberichte als vermeintlicher Beweis, etwa Heilungsgeschichten ohne jeden wissenschaftlichen Beleg. All das schaffe gezielt Misstrauen gegen\u00fcber evidenzbasierter Medizin und senke die Hemmschwelle, unwirksame oder gef\u00e4hrliche Mittel auszuprobieren.&nbsp;Er verwies zudem auf die wachsende Verbreitung sogenannter Deep Fakes, also KI-generierter Videos oder Tonaufnahmen, in denen bekannte Pers\u00f6nlichkeiten t\u00e4uschend echt nachgeahmt werden, um gezielt Vertrauen zu missbrauchen und vermeintliche Wunderpr\u00e4parate zu bewerben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Falsche Empfehlungen zu Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln<\/h2>\n\n\n\n<p>Alessandro Falcone, Medizinstudent im praktischen Jahr und Promovierender am DDZ, zeigte in seinem Vortrag, wie stark Nahrungserg\u00e4nzungsmittel heute \u00fcber soziale Medien beworben werden. Studien deuten darauf hin, dass Menschen, die Gesundheitsinformationen in sozialen Medien ausgesetzt sind, bestimmte Nahrungserg\u00e4nzungsmittel (\u201cSupplements\u201c) h\u00e4ufiger einnehmen, darunter insbesondere Eisen, Omega-3-Fetts\u00e4uren und Proteinpr\u00e4parate. Besonders Vitamin D werde von Influencern mit teils nicht zugelassenen Wirkversprechen und sehr hohen Dosierungen beworben. Ein Mangel sei in der deutschen Bev\u00f6lkerung vor allem in den Wintermonaten zwar weit verbreitet, die kursierenden Dosierungsempfehlungen k\u00f6nnten jedoch gef\u00e4hrlich sein. Wer einen Mangel vermutet, sollte den Spiegel zun\u00e4chst \u00e4rztlich bestimmen lassen und dann gezielt supplementieren, betonte Falcone, der in den sozialen Medien unter anderem zu Longevity und Pr\u00e4ventivmedizin aktiv ist. Als zweites Beispiel griff Falcone sogenannte Longevity-Supplements wie NAD-Booster auf. Diese werden h\u00e4ufig mit Versprechen wie mehr Energie, besserer Konzentration oder Anti-Aging-Effekten vermarktet und teils f\u00fcr hohe Betr\u00e4ge angeboten. F\u00fcr einen relevanten Nutzen beim Menschen fehle bislang jedoch belastbare Evidenz.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcbertriebene Warnungen zu S\u00fc\u00dfstoffen und Blutzuckerspitzen<\/h2>\n\n\n\n<p>Zu den verbreitetsten Fehlinformationen z\u00e4hle die Behauptung, S\u00fc\u00dfstoffe wie Aspartam oder Sucralose f\u00f6rderten Fettleibigkeit oder sch\u00e4digten den Stoffwechsel, sagte Dr. Tim Hollstein, Oberarzt an der Klinik f\u00fcr Endokrinologie des Universit\u00e4tsklinikums Schleswig-Holstein, der in den sozialen Medien zu Stoffwechselthemen aufkl\u00e4rt. Er stellte klar, dass solide Belege f\u00fcr diese Behauptungen bislang fehlen. Wer S\u00fc\u00dfstoffe als gelegentlichen Zuckerersatz nutzt, muss nach aktuellem Kenntnisstand keine gesundheitlichen Nachteile f\u00fcrchten. Hollstein warnte zudem vor der wachsenden Popularit\u00e4t von Ratschl\u00e4gen rund um Blutzuckerspitzen bei gesunden Menschen, die unter anderem durch die franz\u00f6sische Influencerin Jessie Inchausp\u00e9, bekannt als \u201eGlucose Goddess\u201c, verbreitet w\u00fcrden. Bei Menschen ohne Diabetes reguliere der K\u00f6rper Blutzuckerschwankungen nach dem Essen selbstst\u00e4ndig und zuverl\u00e4ssig, eine besondere Essreihenfolge oder das kontinuierliche Messen des Blutzuckers sei medizinisch nicht notwendig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verharmlosung von erh\u00f6hten Cholesterinwerten<\/h2>\n\n\n\n<p>Dr. Catharina Hamm, Kardiologin, Inhaberin einer kardiologischen Praxis und ebenfalls aktiv in sozialen Medien, berichtete von Fehlvorstellungen, die ihr t\u00e4glich in der Praxis begegnen. Viele Menschen h\u00e4tten die \u00dcberzeugung, ein erh\u00f6hter Cholesterinspiegel sei harmlos oder sogar n\u00fctzlich \u2013 etwa f\u00fcr Zellmembranen oder die Gehirnfunktion. Die wissenschaftliche Datenlage zeigt etwas anderes: Erh\u00f6hte LDL-Cholesterinwerte z\u00e4hlen zu den wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren f\u00fcr Herzinfarkt und Schlaganfall. Den gr\u00f6\u00dften Widerstand erlebe sie bei der Verordnung von Statinen. Viele Patienten k\u00e4men mit der Vorstellung in die Praxis, Statine seien gef\u00e4hrlicher als erh\u00f6hte Cholesterinwerte \u2013 h\u00e4ufig gepr\u00e4gt durch irref\u00fchrende Inhalte aus sozialen Medien. <\/p>\n\n\n\n<p>Unter Verweis auf aktuelle Studien zur Nebenwirkungsrate erl\u00e4uterte Hamm, welche Risiken von Statinen tats\u00e4chlich wissenschaftlich belegt seien: Am h\u00e4ufigsten seien Muskelschmerzen, die meist mild und harmlos seien. Deutlich seltener k\u00f6nne es zu leichten Ver\u00e4nderungen der Leberwerte oder zu einem geringf\u00fcgig erh\u00f6hten Diabetesrisiko kommen. Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen, Depressionen oder Gewichtszunahme hingegen w\u00fcrden zwar h\u00e4ufig behauptet, lie\u00dfen sich in hochwertigen Studien jedoch nicht eindeutig nachweisen. Bei Menschen mit erh\u00f6htem Herz-Kreislauf-Risiko \u00fcberwiege der belegte Nutzen einer Statintherapie in aller Regel deutlich gegen\u00fcber m\u00f6glichen Nebenwirkungen. Eine langfristige Behandlung sei in diesen F\u00e4llen daher medizinisch gut begr\u00fcndet, m\u00fcsse dennoch immer individuell entschieden werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie kann man sich vor Fehinformationen sch\u00fctzen?<\/h2>\n\n\n\n<p>Als erste Orientierung empfehlen die Expertinnen und Experten, die Qualifikation von Influencern zu pr\u00fcfen und auf m\u00f6gliche Interessenkonflikte zu achten, etwa ob ein Influencer Produkte bewirbt oder verkauft, \u00fcber die er spricht. Kan\u00e4le ohne Impressum sind dabei ein Warnsignal. Maximilian Huttasch vom DDZ betonte jedoch, dass auch das keine abschlie\u00dfende Sicherheit bietet: \u201eAuch approbierte \u00c4rzte und Apotheker verbreiten mitunter Fehlinformationen. Am Ende hilft immer der kritische Blick und das Gespr\u00e4ch mit dem eigenen Arzt, besonders wenn es um tragende Entscheidungen wie den Beginn oder das Absetzen einer Therapie geht.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftler des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) in D\u00fcsseldorf haben k\u00fcrzlich im Rahmen des Deutschen Diabetes Kongresses der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) eindringlich vor den Risiken gesundheitlicher Fehlinformationen im Netz gewarnt, insbesondere [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":26480,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":"","footnotes":""},"categories":[38,1],"tags":[219,233,59,58,50,221],"class_list":["post-26479","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-pressemitteilungen","category-unkategorisiert","tag-diabetes","tag-menschen-mit-diabetes","tag-news","tag-pressemitteilungen","tag-typ-2-diabetes","tag-veranstaltung"],"acf":{"attachments":false},"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.5 - 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